Home
Alle Themen
Themenbereich
Verfolgung
Thema
Vernichtung
Dokumente
»Mein Kampf«
Vernichtungslager
Gemordet wurde überall
Otto Rosenberg
Walter Stanoski Winter
Günter Hestner
Herta Dreyer
Anneliese P. - überlebt!
Seid frohen Mutes
»Vorbild«
Mord und Rettung
Verantwortung
»humanste Lösung«
»Gerechtigkeit« und »Wohl der Menschheit«
»Selektion«
»Die jetzt noch lachen...«
»besiegelt «
Dokument     Druckversion
Walter Stanoski Winter

Stanoski Walter Winter

Geboren 1919 in Wittmund in Ostfriesland, wächst Stanoski als viertes von neun Kindern in einer katholischen Schaustellerfamilie auf. Die Familie spricht drei Sprachen: Romanes, die Sprache der Roma und Sinti, Hochdeutsch und Plattdeutsch. Anfänglich besucht er die Volksschule in Oldenburg, später wohnt er mit den Eltern in Cloppenburg. Im Winter 1938 wird der mittlerweile 19-jährige zum »Arbeitsdienst« auf einem Flugplatz herangezogen. Am 1. Januar 1940 wird er zum Militärdienst eingezogen.

Verdacht

»Ich wurde bei der Marine zum Spezialisten für eine bestimmte Kanonenart ausgebildet und habe entsprechende Lehrgänge absolviert«, erinnert er sich später, »mein Dienstrang war Bootsmann. Ende 1941 wurden alle vierzehn Männer, die mit mir gemeinsam in einer Einheit waren, befördert, nur ich nicht. Da habe ich Verdacht geschöpft, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist, denn ich war bei meinen Vorgesetzten ja sehr beliebt.«

›Nichtarier‹

Stanoski erfährt, warum er gegenüber seinen Kameraden benachteiligt wird: »In dieser Zeit spielte ich auch in Wilhelmshaven, wo wir stationiert waren, in der Handball- und Fußballmannschaft der Marine. Ein Kamerad namens Sommer, mit dem ich zusammen Fußball spielte, saß in der Schreibstube. Als ich ihn fragte, warum ich nicht befördert worden sei, sagte er mir, dass der Antrag zwar auf dem Schreibtisch liege, die Beförderung aber nicht ausgesprochen werden dürfe, weil ich ›Nichtarier‹ sei. Er gestand mir sogar, dass er den Auftrag habe, mich zu überwachen. Ich konnte das alles nicht verstehen, ebenso wenig meine Vorgesetzten, nachdem ich zur Rede gestellt hatte.«

Entlassen

Stanoski wird aus der Wehrmacht entlassen - »In meinem Wehrpass war vermerkt, ich sei ›nicht zu verwenden‹.« Er kehrte im April 1942 nach Oldenburg zurück. Dort geht er zum Wehrbezirkskommando und gibt seinen Wehrpass zurück. Vier Wochen später wird auch sein Bruder Erich aus der Wehrmacht entlassen, »der in Russland bei der Luftwaffe gewesen war«.

Lager

1943 heiratet er die acht Jahre jüngere Bluma Schubert und wird im März von einem Sammellager in Bremen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er vermutlich am 14. März eintrifft und die Häftlingsnummer Z-3105 erhält. Er wird als »Blockschreiber« eingesetzt.

»Zigeunerlager«

Im sogenannten »Zigeunerlager« werden die dort gefangen gehaltenen Roma und Sinti zeitweilig in Sicherheit gewogen; viele sterben in Folge der dortigen Lebensbedingungen an den Folgen von Hunger und Epidemien. Ärzte nehmen an den Insassen Experimente vor, einige sollen dazu dienen, die »rassische Andersartigkeit« der »Zigeuner« wissenschaftlich zu untermauern. Aber selbst diese jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrenden und oft grausamen Experimente sind nur ein »Zwischenspiel« - Ziel der Nazis ist es, auch die Sinti und Roma zu vernichten.

Widerstand

Während einer der »Vergasungsaktionen« im »Zigeunerlager« werden zwei Blocks vor dem, in dem Stanoski lebt, geräumt, die Insassen ermordet. »Die Männer in unserem Block«, erinnert sich Stanoski später, »setzten sich zusammen, und wir beschlossen uns zu wehren. Wir wussten, dass die SS-Männer bei der Räumung der Blocks einzeln hereinkommen mussten und hatten vor, ihnen die Maschinengewehre, die sie in der Hand hielten, zu entreißen und so viele wie möglich zu überwältigen.« Es erschien jedoch überraschend »ein SS-Mann mit dem Motorrad, und die Vergasung hörte bei unserem Block auf.«

Ravensbrück - Sachsenhausen

Im August 1944 wird Stanoski mit seiner schwangeren Frau in das Konzentrationslager Ravensbrück und später in das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg verlegt. Von dort wird er am 13. April 1945 in eine Strafkompanie beordert, die bei Cottbus als letztes Aufgebot zur Abwehr der russischen Offensive eingesetzt wird. Am 5. Mai 1945 gelingt es ihm, sich nach Berlin abzusetzen.

Gestorben - überlebt

Seine Frau, erfährt er nach der Befreiung, ist im Konzentrationslager Ravensbrück im Februar 1945 gestorben. Er heiratet 1947 seine zweite Frau Emmi und nach deren Tod in dritter Ehe 1978 seine Frau Marion. In der Bundesrepublik engagiert er sich im »Auschwitz-Komitee«.
WebGuide
Rückblick
Heute: 15. November 2018
Damals: 16. November 1942

Fritz Pfeffer (Albert Dussel) findet Unterschlupf im Hinterhaus.

Mehr