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Im Schatten der »Nürnberger Gesetze«
Eine Familie, die keine sein durfte: Irma Eckler mit Tochter Irene und August Landmesser mit Tochter Ingrid, Juni 1938. Dies ist das erste und letzte gemeinsame Foto.

Verbotene Liebe II

Irma Eckler war am 12. Juni 1913 in Hamburg geboren worden. Obwohl 1931 evangelisch getauft, galt sie den Nazis wegen der jüdischen Herkunft ihrer Mutter als Jüdin. Im Oktober 1934 lernte sie den drei Jahre älteren August Landmesser kennen. August war 1931 der NSDAP beigetreten, die er 1935 wieder verließ. Am 21. April 1935 gaben die beiden ihre Verlobung bekannt. Obwohl das sogenannte »Blutschutzgesetz« erst am 15. September 1935 erlassen wurde, wies ihr Hambur-ger Standesamt bereits im August 1935 ihren Heiratswunsch zurück. So wurde ihre Tochter Ingrid im Oktober des selben Jahres unehelich geboren. An ihrem 24. Geburtstag erließ der Chef der Sicherheitspolizei eine geheime Order, wonach »bei Rassenschande zwischen einem Deutschen und einer jüdi-schen Frau […] diese sofort nach Abschluss des Gerichtsverfahrens in Schutzhaft zu nehmen« sei. Am 28. Juli wurde August Landmesser festgenommen. Kaum eine Woche später, am August 1937, kam die zweite Tochter Irene zur Welt. Da war gegen beide Eltern bereits ein Strafverfahren wegen »Rassenschande« eingeleitet worden. Am 27. Mai 1938 wurde Au-gust aus Mangel an Beweisen freigesprochen, am 15. Juli aber erneut festgenommen. Drei Tage später wurde Irma verhaftet. August Landmesser wurde im Oktober 1938 wegen »Rassenschande« zu 2½ Jahren Zuchthaus verurteilt und in das Konzentrationslager Börgermoor im Emsland gebracht. Irma Eckler kam in das Frauen-Konzentrationslager Lichtenburg und später, mit dessen Verlegung, in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück Ihr letzter monatlicher Brief an die Familie datiert auf Januar 1942. Sie ist vermutlich später, im Februar 1942, mit anderen Häftlingen in die Lan-des-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg bei Dessau gebracht und dort – wie etwa 5.000 andere, meist jüdische Häftlinge – ermordet worden. Dort waren bis August 1941 in weniger als einem Jahr mehr als 9.000 psychisch Kranke und Behinderte umgebracht worden. August wurde 1941 aus der Haft entlassen und im Februar 1944 zum »Bewährungsbataillon 999« eingezogen. Seit Oktober 1944 gilt er als vermisst. Ingrid und Irene haben überlebt [nachzulesen unter www.courage.fasena.de].
Urheberrechte:
Eckler, Irene: A Family torn apart by "Rassenschande", Schwetzingen 1998, S. 41
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Heute: 24. März 2017
Damals: 25. März 1944

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