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Eine Heirat 1932
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Eine Heirat 1932
Hochzeit von Johannes und Eva Schäfer 1932.

50 Jahre nach Kriegsende fand Ingeburg Schäfer auf dem Dachboden einer Bekannten eine Truhe mit Lebensberichten des Vaters. Anhand der Dokumente recherchierte sie die Geschichte ihrer Familie. Sie fand heraus, dass ihr Vater Johannes Schäfer mit seinem großen politischen Engagement der NSDAP an die Macht verhalf und ab 1933 die Karrieretreppe hochkletterte.

Zwischendurch heiraten

Ingeburg Schäfer schreibt über die Familie:

'In den Jahren 1931 und 1932 überschlugen sich die Ereignisse förmlich. Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932, eine Woche vor der Hochzeit meiner Eltern, gewann die NSDAP 37,8 Prozent der Stimmen. Für Vater vermischten sich die politischen Geschehnisse völlig mit den privaten. Er stand damals mitten im Trubel, so dass es wirklich erstaunlich ist, dass er zwischendurch noch Zeit zum Heiraten fand. In seinem Lebensbericht unterstreicht er, dass er sich immer noch wundere, mit welcher Ruhe und Selbstverständlichkeit die Hochzeit über die Bühne ging. Nach ihrer Trauung (…) fanden meine Eltern sogar Zeit, in die Flitterwochen zu fahren: Sie wanderten eine Woche durch den Harz (…) Doch gleich nach der Rückkehr nach Halle ging es weiter mit der Politik.'

Schon mit 24 Jahren beginnt die Karriere

Johannes Schäfer trat mit 24 Jahren der NSDAP und der SS (Schutzstaffel) bei. Im November 1932 bekam er ein Mandat für den Reichstag und übernahm die SA-Führung in Halle. Nach dem Angriff auf Polen 1939 zog die Familie nach Danzig und Schäfer arbeitete dort als Chef der Polizei. Anschließend wurde er Polizeipräsident in der polnischen Stadt Lodz (Litzmannstadt). In dieser Funktion war er mitverantwortlich für die Errichtung des Ghettos und damit der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Lodz. 1940 wurde er nach Köslin bei Stettin versetzt und kämpfte im Krieg, bis er 1945 in amerikanische Gefangenschaft geriet. Ab den 50er-Jahren lebte er ganz normal als Kaufmann in Köln. Ein Strafverfahren gegen ihn wurde 1969 eingestellt. Er starb 1993.
Urheberrechte:
Foto: Ingeburg Schäfer; Lit.: Schäfer/Klockmann, Mutter mochte Himmler nie, 1999, S. 35
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Heute: 21. November 2018
Damals: 20. November 1945

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