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Wo ich leben möchte
Eine Heirat 1932
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Wo ich leben möchte
Max Hermann-Neisse: 'Das Land, in dem ich leben möchte', Berlin 1932.

'Das Land, in dem ich leben möchte, müßte ein friedliches sein, das jedem seiner Bewohner ein auskömmliches Dasein verbürgt und mit jeder Nation gut Freund ist. Es hat kein Militär, keine bewaffnete Macht, keine Zuchthäusler, übt keinen Arbeits- und Gebärzwang aus, kennt keine Todesstrafe, gewährt unbedingte Rede- und Schreibfreiheit, stellt das Sexuelle nicht unter moralische Gesetze. Da darf jeder nach Belieben tun und lassen. Soweit er nicht seinen Mitmenschen dadurch schädigt, da herrscht niemand und wird niemand beherrscht, gibt keine Hast, keine Rekordjagd, keine Raffgier keinen Puritanismus, keinen Rassen- und Grenzpfahlwahn, (…) keinen Kulturabbau, da gilt Kunst noch etwas, die Humanität, der Geist, die Persönlichkeit, das Herz, die Seele, der Mensch an sich. (...)'

Höchste Zeit, Deutschland zu verlassen

Max Hermann-Neisse arbeitete seit 1919 als Lektor und freier Schrifsteller in Berlin. Im April 1932 stellte die 'Literarische Welt' die Umfrage: 'Wann, wo, wie möchtet Ihr lieber leben als jetzt, hier, und so wie Ihr lebt?', und Max Hermann-Neisse antwortete mit dem obigen Zitat. In dieser Zeit erhielten viele Schriftsteller Drohbriefe und anonyme Anrufe von Nationalsozialisten. Theater-Aufführungen wurden von den Nazis gestürmt und Terror schon im Vorfeld der Machtübernahme ausgeübt.

Max Hermann-Neisse floh im März 1933 über Zürich nach London. Er erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges dort nicht mehr und starb 1941 im Alter von 55 Jahren.

Urheberrechte:
Foto + Lit.: Kleines expressionistisches Brevier, 1993, S. 88
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Heute: 19. September 2018
Damals: 15. September 1935

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